Freitag, 5. Oktober 2012

Chi Roma non vede, nulla crede



Lieber Leser, liebe Leserin, liebes fliegendes Einhorn. Beim Verfolgen dieses virtuellen Tagebuches mag dir aufgefallen sein, dass es nicht allzu regelmäßig geführt wird. Wir bitten hierfür um Verständnis. Und wir haben eine Erklärung: Wir sind in ROM!
Also wirklich, es passiert so viel, jeden Tag gibt es etwas Neues, sodass wir gar nicht mehr zum Schreiben kommen! Und außerdem assimilieren wir uns an unseren neuen Lebensraum und nehmen das mit der Pünktlichkeit nicht so genau… Aber jetzt will ich doch versuchen, euch einen kleinen Überblick zu geben, ist ja schon ein paar Wochen her seit dem letzten.
Es gibt Dinge in Rom, die sind super und bei denen lohnt es sich, sie immer wieder zu erleben. Unsere Barbecues im Garten, zum Beispiel. Wir sind seit vier Wochen hier und es ist noch keine Woche vergangen, in der wir nicht zum Grillen eingeladen worden sind – und es war jedes Mal köstlich (bisschen knusprig gebraten, vielleicht, aber lecker) und vor allem lehrreich. Ein Abend Barbecue hilft mehr beim Italienisch-Lernen als eine ganze Woche Sprachkurs! Dabei will ich gar nichts gegen den Sprachkurs sagen, wir haben nette Menschen dort kennen gelernt und eine schöne Zeit gehabt – wenn auch keine allzu lehrreiche, wirklich was Neues haben wir nicht gelernt. Aber so haben wir beide locker die Prüfung bestanden und die ersten drei Credit Points eingestrichen =)
Generell lernt man viele Menschen kennen, im Sprachkurs, auf Erasmus-Partys – und Menschen, die man seit Ewigkeiten hatte treffen wollen, in Deutschland aber nicht dazu kam und deswegen besser mal dafür nach Rom fliegt – liegt ja nahe, oder? So habe ich also endlich Daniela getroffen und ein wenig mit ihr die Stadt unsicher gemacht. Der Höhepunkt dieses Treffens war aber mit Sicherheit der Ausflug nach Ostia an den Strand. Die Römer selbst mögen der Ansicht sein, dass Ostia kein besonders schöner Strand ist, aber als jemand, der so gut wie keine Strände kennt war Ostia schon super. Unglaublich weicher Sand, klares Wasser, strahlender Sonnenschein – da möchte man einfach nur hereinspringen! Den Sand finde ich übrigens immer noch in meiner Handtasche, aber das ist okay. Danke für die Einladung zum Strand und die tollen Tage, Daniela!
Weitere interessante Menschen, die wir treffen durften, waren Luke und Markus. Luke ist ein Freund unserer australischen Mitbewohnerin Annie, der ein paar Tage Urlaub in Rom gemacht hat und einen dieser Tage dankenswerterweise mit uns verbracht hat. Ein bisschen sight-seeing und anschließend hat er uns noch bekocht – wunderbar! Markus dagegen kannten wir schon aus Deutschland, er macht grade ein Praktikum hier und wo wir schon beide hier wohnen, muss man sich natürlich auch treffen und sich den nächtlichen Campo de‘ Fiori zeigen lassen. Absolut empfehlenswert. Das allerdings ist etwas, was immer lohnt: Rom bei Nacht. Klar, tagsüber ist Rom schön, es ist beeindruckend und so weiter… aber nachts… nachts ist Rom magisch! Die Lichter, die Atmosphäre,… wer’s erlebt hat, weiß, was ich meine, wer es noch nicht erlebt hat, weiß jetzt, was er zu tun hat ;)
Um unser Italienisch zusätzlich zu verbessern haben Nina und ich uns zudem beide für das Tandem-Programm beworben (für die, die nicht wissen, was das ist: Man trifft sich mit einem italienischen Muttersprachler, der Deutsch lernen möchte und hilft sich gegenseitig beim erlernen der jeweiligen Fremdsprache) und auf diese Weise habe ich Serena kennen gelernt, eine 21jährige Jura-Studentin, die bereits ziemlich gut Deutsch spricht. Sie hilft mir allerdings nicht nur mit meinem Italienisch, dadurch, dass sie eine gebürtige Römerin ist, kennt sie sich wirklich gut aus und zeigt mir sehr interessante Orte, die Touristen nicht entdecken. Jackpot!
Eine tolle Gelegenheit, Rom kennenzulernen, ist auch Erasmus. Klar, man soll sich mit Römern treffen, nicht zu viel mit den Erasmus-Leuten rumhängen, aber dann und wann gibt es da echt coole Sachen. Geführte Touren durch Rom, oder das Cineforum, zum Beispiel, wo italienische Filme gezeigt werden – das ist immerhin auch lehrreich und hinterher gab’s gratis-Futter, das ist als Student nun wirklich nicht zu verachten, Rom ist nicht billig – wir wissen, warum wir eine halbstündige Busfahrt zum nächsten Lidl auf uns nehmen und ich gebe euch einen kleinen Tipp: Mit Heimweh hat das weniger zu tun ;) Obwohl es schon cool ist, dass man in Rom Linsensuppe mit Würstchen aus der Dose kaufen kann – original deutsche Aufschrift inklusive.
Ebenfalls von Erasmus organisiert war das Euro-Dinner. Eine feine Sache, jeder brachte eine kulinarische Spezialität aus seiner Heimat mit und dann gab es damit ein großes Buffet. Ich selbst habe aus Zeitmangel nichts machen können, Nina aber hat Reibekuchen (Kartoffelpuffer, Reibeplätzchen, sucht euch den Namen aus, der euch am besten gefällt) gemacht, mit Apfelmus, logisch. Der Rest des deutschen Beitrags bestand aus Milka-Schokolade und Bier, ebenfalls logisch. Am Ende konnte man dann auch Preise gewinnen und Nina gewann den Preis für die Raffinatezza! Ihr Preis: Eine Fahrt zum Weinfest in Marino. Wer Nina kennt weiß nun, warum ich den ganzen Abend nicht mehr aufhören konnte zu lachen (kleiner Tipp an den Rest: Nina trinkt nicht. Mit nicht meine ich wirklich nie!). Sie hat das Ticket dann an Tim, den Australier aus dem Appartement über uns, weitergereicht.
Leider gibt es auch Dinge in Rom, die weniger schön sind. Also, zum einen, klar, das Chaos. Das wissen die Römer auch, hier kann man Stunden auf einen Bus warten, ewig nach jemandem suchen, der Englisch spricht und für Äonen am Zebrastreifen stehen und trotzdem hält kein Auto an, damit man die Straße überqueren kann. Aber daneben gibt es auch richtig miese Dinge. Mücken, zum Beispiel. Die Viecher kommen ziemlich sicher aus der Hölle, diese Theorie stammt von Nina und ich kann nur zustimmen. Die stechen durch alles und sind immun gegen Autan und alles Ähnliche. Und immer durstig! Wir haben so viele Mückenstiche! Besonders fies war es, als ich die Mückenstiche an meinen Füßen hatte, die sich dann beim Laufen entzündet haben, sodass ich erst einmal drei Stunden in der Notaufnahme des örtlichen Krankenhauses zugebracht habe (da spricht übrigens auch keiner Englisch – wieso auch?) aber jetzt geht es mir wieder gut.
Ebenfalls weniger erfreulich ist die Unfähigkeit der Römer, irgendetwas zu organisieren. Das geht wirklich gar nicht. Wir erinnern uns beide daran, wie oft und viel wir uns über das Bonner System BASIS beschwert haben, mit dem wir uns zu Vorlesungen und Prüfungen anmelden mussten. Ich hätte gerne so etwas wie BASIS hier, BASIS ist toll, ich werde mich nie wieder darüber beschweren! In Rom sucht man lange und oft vergebens nach Vorlesungsplänen. Außerdem gibt es nicht so etwas wie einen einheitlichen Start des Semesters. Es fängt einfach jeder Professor dann an, wann er möchte. Das kann heißen am ersten Oktober, es kann aber auch bedeuteten, dass man erst ab Mitte November erscheinen muss. Absprachen existieren dabei unter den Professoren auch nicht, sodass es schwer ist, einen Stundenplan zu erstellen, bei dem sich nicht alles überschneidet. Wir denken aber jetzt, dass wir etwas herausgearbeitet haben, mit dem man arbeiten kann und warten nun auf das okay der Universitäten Bonn und Rom.
Schlimmer getroffen hat es dagegen eine sehr nette Kommilitonin von uns, Naomi aus England. Die Absprachen zwischen ihrer Universität in England und der Uni hier in Rom waren so schlecht, das am Ende herauskam, dass ihr nichts von dem, was sie hier studiert hätte, in England anerkannt werden würde, sodass sie wieder zurück musste – definitiv eines der Dinge, die am miesesten sind! Annie hat es ebenfalls nicht leicht mit ihrem Stundenplan und wir drücken ihr die Daumen, dass alles gut geht!
Betrachten wir aber lieber die positiven Aspekte in Rom. Immerhin sind wir hier, wir brauchen mit der Metro eine Viertelstunde und stehen vor dem Kolosseum! Man kann sich daran gewöhnen, dass die Kassiererin im Supermarkt Italienisch mit dir spricht. Man kann sich daran gewöhnen, dass man auf den Absender „Rom“ schreibt. Man kann sich daran gewöhnen, dass die Busse nicht kommen. Man kann sich daran gewöhnen, dass wir im Oktober 30°C haben. Aber man kann sich einfach und unter gar keinen Umständen daran gewöhnen, dass man in 15 Minuten am Kolosseum stehen kann! Ehrlich, das haut einen um und das sind die Momente, in denen uns bewusst wird, wie gut es uns geht. Eine weiteren dieser Momente hatten wir heute wieder, wir haben Salate zubereitet, Plätzchen gebacken und sind damit zu unserer Mitbewohnerin Kathi gefahren, als diese Mittagspause hatte. In der Nähe ihres Bureaus gibt es einen sehr schönen Park, indem wir bei phantastischem Wetter gepicknickt haben – perfekter Tag!
Ihr seht also, es gibt tausend Gründe, warum ihr uns besuchen müsst – und das ist kein Thema, denn freilich seid ihr uns jederzeit willkommen, wir haben das mit unserem Vermieter abgeklärt, zwei bis drei Personen bekommen wir locker mit Matratzen auf dem Boden einquartiert, für circa vier Nächte erlaubt uns unser Vermieter das. Ihr müsstet also nur rechtzeitig Bescheid sagen. Unsere Mitbewohner sind – wie bereits mehrfach erwähnt – superlieb und freuen sich darauf, euch kennen zu lernen – und wir freuen uns auf ein Wiedersehen. In diesem Sinne liebste Grüße an Nathalie und Nicola, die Anfang November vorbeischauen und unsere Familien, die in Kürze hier eintreffen werden =)
Also, bis bald in Rom, ihr Lieben!

Freitag, 21. September 2012

Domani, domani!


Hallo Freunde, Verwandte, Bekannte und Menschen des Internets!

Ja, wir leben noch. Ja, das Haus steht noch, ja uns geht es gut. Es ist nur minimal stressig. Ich mein, ist nicht so, dass wir irgendwo in New York, London oder Paris rumchillen könnten, Rom ist da schon ne andere Hausnummer!
Das Leben hier ist toll. Einfach alles hier ist aufregend. Die Menschen sind aufregend, Einkaufen ist aufregend, Metrofahren ist aufregend, und sogar das Passato Prossimo kommt mir spannender vor als im Italienischunterricht in Deutschland, wenns mit nem sizilanischen Dialekt erklärt wird. Mit den kleinen Unzulänglichkeiten der Wohnung arrangieren wir uns auch immer besser. Plus der Woche: die Klospülung funktioniert, es gibt wieder kaltes Wasser in der Küche und wir haben jetzt eine Halterung für den Duschkopf! Leider geht die Bad-Tür immer noch nur mit Gewalt zu, das Waschbecken ist latent lose und wenn man Wasser laufen lässt riecht es ab und an nach Eiern. Aber hey! Babysteps, nicht wahr?
Der Sprachkurs läuft besser als erwartet, und mein Italienisch wird immer besser (grazie mille, Kathi!), und auch mein Englisch wird gefordert (ta very much, Anni!). Wenns so weiter geht, hab ich Deutsch ganz vergessen, bis ich wieder in Castrop verweile!
Die Mückenstichanzahl steigt derweil stetig, im Schnitt kann man sagen, dass pro Nacht so vier bis sechs neue dazukommen. Auch im römischen Bürokratie-Dschungel werde ich mittlerweile immer besser. Wobei „domani“ inzwischen ein Wort ist, das mir die Nackenhaare hoch treibt, muss ich schon sagen. Trotzdem habe ich gelernt, dass man mit Calma doch mehr erreicht, als mit Arrabiata!
Zum Abschluss hier noch ein paar Gedanken die ich schon oder noch nicht hatte, seit das Abenteuer Auslandssemester vor knapp drei Wochen angefangen hat:

Gedanken, die ich in drei Wochen Rom schon hatte:
Gedanken, die mir noch nicht gekommen sind:
·      Hier könnt man mal fegen.
·      Direkt nach dem nächsten Fegen: hier könnt man mal fegen.
·      Bis 2 Uhr Plätzchen backen ist eine fabelhafte Idee!
·      Bis 2 Uhr Plätzchen backen ist keine fabelhafte Idee. Ich bin müde, sprich mich nicht an. Aber die Plätzchen sind fabelhaft!
·      Mist, ich habe vergessen, dass die Waschmaschine nur auf „J“ funktioniert, und jetzt pumpt sie nicht ab
·      Den Duschkopf beim Duschen nicht festhalten zu müssen wird viel zu wenig gewürdigt!
·      Vielleicht muss ich doch nicht sterben, weil mich keiner versteht!
·      Ich liebe meine Mitbewohnerinnen <3 
·   Mensch, der Bus kam aber pünktlich!
·   Da muss noch n bisschen Oel dran.
·   Ich sollte Köchin werden!
·   Jetzt frier ich aber doch n bisschen..
·   Jetzt ne runde McDonalds
·   Ich hab Hunger
·   Unsere WG ist so langweilig..

Soviel zum aktuellen Update aus der Höhle der blauen Sau, schön dass ihr alle (noch) da seid, ci vediamo!

Nina

Freitag, 7. September 2012

Mein Gehirn ist italengleutsch.

Gedanken unter Römern
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Das gute an Auslandssemestern ist, dass du Fremdsprachen sprechen kannst. Das schlechte ist, dass du Fremdsprachen sprechen musst. Mit italienischen Vermietern und australischen, deutschen und peruanischen Mitbewohnern kann da das Gehirn schonmal ausklinken, und dann steht man am Bahnhof, begrüßt den Fahrkartenverkäufer mit "Ciao", macht weiter mit "One trainticket for september, please" und schließt ab mit "Adios". Führt zwar zum gewünschten Ergebnis, ich hab n Zugticket. Aber der Blick vom Verkäufer war verwirrt bis amüsiert.
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Heute sind wir viel gelaufen. Heute sind wir Viel gelaufen. Heute sind wir VIEL gelaufen. Nadine ist enthusiastisch. Was gut ist, weil sie sich auskennt, und wir an den meisten Attraktionen so den Tour-Guide sparen können. Ich bin dann dafür da, in Erinnerung zu rufen, dass wir ein halbes Jahr haben, wir ergänzen uns also ganz gut! Problem an Rom: sie hat vermutlich recht, ein halbes Jahr reicht genauso wenig wie eine Woche. Denn das Ding ist, du gehst um die Ecke und hast eine Sehenswürdigkeit. Und schon auf dem Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit hast du elf neue Sehenswürdigkeiten. Man ist also tatsächlich gut beschäftigt. Macht sich allerdings auch bezahlt, auch wenn man den tatsächlichen Blick vom Petersdom braucht, um zu verstehen, warum der Blick von einer Kirche für 500 (!!) Treppenstufen entschädigen soll! Aber, glaubt mir: tut er. (Dabei spricht mehr der Tourist und Ästhet als der Anti-Sportler aus mir, aber dem kann man eh nicht glauben.)
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Unsere WG ist eine Fundgrube. Das heißt nicht immer, dass wir das, was wir finden, auch finden wollen, oder dass das, was wir finden, gefunden werden sollte, wirklich nicht. Nein nein, wirklich. Manchmal sind es nützliche Sachen, die wir finden, wie zum Beispiel eine handbetriebene Küchenmaschine, Gartenstühle auf dem Balkon und Matratzen unterm Dach. Manchmal allerdings...
Hier ein Top 5 der seltsamsten Dinge, die wir in unserer Wohnung bisher gefunden haben:
5. ein aus Ton gebasteltes Jesusbaby, das verstörende Ähnlichkeit mit Damien aus "Das Omen" hat
4. Eine Sammlung CDs neben einer fragwürdigen Anlage, unter anderem mit Klassikern wie Amy Winehouse und einer selbstgemachten CD mit Mulan, Queen und Natalie Imbruglia.
3a. Partyzubehör auf einer Zwischenebene über dem Badezimmer (like.. what!?)
3b. eine Zwischenebene über dem Badezimmer (..?!?)
2. Skier im Hausflur
1. eine Lampe, auf der Werbung für den Energydrink "Die blaue Sau" ist, der laut Aufschrift für 50% der Tagesdosis Energy und Power sorgen soll, und sogar 100% Fun und Sex! Die Lampe fungiert seither als Namensvetter unserer WG.

Donnerstag, 6. September 2012

Neues aus der WG "Zur blauen Sau"



Liebste Grüße aus Rom an euch alle!
Es liegen aufregende, anstrengende, nervenaufreibende, spannende und auf jeden Fall ganz tolle Tage hinter uns!
Zunächst einmal war es eine gute Idee, mit dem Zug zu fahren – weniger Stress, dachten wir uns. Aber da war ja noch das umsteigen – gar nicht mal so leicht mit zwei Koffern. Schlimmer kam es dann, als wir endlich in Rom angekommen waren (nachdem wir unsere Tickets für die Metro hatten – die Suche nach dem Passierschein A38 ist nichts dagegen!!) mussten wir ja noch in die Wohnung gelangen. Also jede mit zwei Koffern bepackt den Berg rauf – im strömenden Regen. Eine wahre Freude. Zumindest, bis ein Italiener kam, mir mit einem „Serve aiuto?“ den einen Koffer aus der Hand nahm und mir dafür sogar seinen Regenschirm überließ und mir meinen Koffer trug, bevor ich sagen konnte, dass etwas Hilfe wirklich toll wäre. So kamen wir dann Dienstagmittag in unserer Wohnung an. Unsere australische Mitbewohnerin Annika lies und rein – und sie ist wirklich eine Seele von einem Menschen. Unglaublich lieb und wir verstehen uns super. Unsere andere Mitbewohnerin heißt Katherine, aber sie ist sehr beschäftigt mit ihrem Job, sodass wir sie kaum sehen – nett ist sie aber auch. Die letzte im Bunde ist nach wie vor nicht eingezogen, sodass wir sie nicht kennen lernen konnten. Dafür kennen wir bereits die Jungs aus der WG über uns, die uns am ersten Abend zu selbstgemachter Pizza eingeladen haben. Von einem echten Italiener zubereitete Pizza – es wird schwer sein, dass zu toppen! Wir hatten so einen sehr netten Abend mit den Jungs und sobald unsere Wohnung etwas hübscher ist, werden wir uns sicher mit einer Einladung revangieren.
Zuerst müssen wir aber noch einiges regeln. Einen Codice fiscale haben wir (und es hat uns bloß vier Stunden gekostet), aber der Rest fehlt noch. Mietvertrag, Wohnung anmelden, Certificate of Arrival… aber piano, piano, das kommt alles mit der Zeit noch. So haben wir uns auch schon die Zeit genommen ein paar Sehenswürdigkeiten zu bestaunen. Die Basilika St. Paul vor den Mauern (klar, die ist ja auch direkt um die Ecke) ist und bleibt wohl eine der schönsten Kirchen Roms, auch, wenn wir feststellen durften, dass in sieben Päpsten die Welt untergeht… Das Kolosseum hat schon ein paar Päpste mehr auf dem Buckel, aber es ist dennoch wahnsinnig beeindruckend, genauso wie die äußerst wichtigen und wertvollen Ruinen daneben, besser bekannt als Forum Romanum. Dahinter liegt das Monumento Vittorio Emmanuelle II, den Römern sehr verhasst, aber doch ein beeindruckender Anblick. Anschließend versuchten wir noch, die kapitolinische Wölfin zu bestaunen – aber was auf Photos immer groß wirkt, ist in Wirklichkeit sehr, sehr klein, niedlich, möchte man sagen. Morgen geht es dann weiter, Petersdom, Engelsburg… die Bürokratie kann warten. =)
Und das Eis, vergesst das Eis nicht!!

Montag, 27. August 2012

Eine Woche!?

Update:
Urlaubsantrag: check
Learning Agreement: check (soweit möglich)
Zugticket: check (dank Muttski!)
Wohnung: check (dank Nadine!)
Zimmer untervermieten: check
Auf der Abschiedssause nicht heulen: cheeeck  (stolz!)
Koffer: witzig.
Panik: jou.

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Es fällt einem ja meistens gar nicht so auf, wie schön es zuhause ist, bis man nur noch sieben Tage davon vor sich hat. Sieben Tage Mamas Essen, sieben Tage eigenes Bett, sieben Tage Schwesterkuscheln, sieben Tage 482er fahren, sieben Tage Erinturm vorm Fenster, sieben Tage Castrop, sieben Tage Omma und Oppa um die Ecke, sieben Tage Altstadt, sieben Tage Schwerin, sieben Tage Freunde treffen, sieben Tage zuhause, und das ganze für ein halbes Jahr. 
Und Checkliste hin oder her, so richtig die Unruhe nimmt die auch nicht. 
Meistens überwiegt aber die Vorfreude, auf das was kommt. Sechs Monate Roma III, sechs Monate Kultur pur, sechs Monate italienisches Essen (das macht einiges wieder gut!), sechs Monate Selbstständigkeit, sechs Monate Abenteuer, sechs Monate neue Leute kennen lernen, sechs Monate neues entdecken und ausprobieren, sechs Monate italienisch sprechen, sechs Monate Rom. 
Und das kann schon einiges aufwiegen!

"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon." (Aurelius Augustinus)

Und wenn wir schon Bücher studieren, wollen wir sie auch ganz sehen, gelle?


Also auf Bücher, und Abenteuer, und italienisches Essen (besonders auf italienisches Essen. Jab. Darauf besonders.), und auf dass wir, bevor wir in unorganisiertem Chaos untergehen wenigstens noch ein bisschen von Rom sehen!

Grüßchen von meiner Seite,
Nina over and out.

Freitag, 17. August 2012

Der Anfang vom Ende


„Sono pazzi, questi romani!“ ist ein Satz, den wir uns schon oft gedacht haben, während wir unser Auslandssemester in Rom von September bis Ende offen planten. Aber je näher das Datum rückt, desto mehr dringt auch die Erkenntnis durch, dass wohl nicht nur die Römer verrückt sind – sondern wir auch, dass wir das tun wollen.
Dabei hätte uns das eigentlich klar sein sollen, als wir im letzten Jahr auf die Idee kamen, ein Semester mit dem Erasmus-Programm nach Rom zu gehen. So wurde es dann mitunter schon während der Organisation reichlich turbulent und wir sahen uns mit dem ein oder anderen dressierten Äffchen konfrontiert. Doch dazu später mehr…
Zunächst einmal war die Freude groß, als wir beide angenommen wurden – zu zweit in ein anderes Land zu ziehen ist ja schon mal wesentlich beruhigender! Das Chaos begann mit den ersten Schreiben aus Rom – Nina erreichte keine der E-Mails. Während ich bereits einige bekommen hatte, hatte sie nicht eine und entsprechend wuchs die Nervosität und Ratlosigkeit. Gefühlte 5 Millionen E-Mails wurden nach Rom geschickt – allein, beantwortet wurde nicht eine. „Bewahren Sie Ruhe!“, war alles, was man uns sagen konnte und das half nicht, besonders nicht auf Dauer. Und aus Rom meldete sich immer noch niemand, sodass wir uns allerhand logische Erklärungen hierfür zurechtlegten. Unser Favorit: In der Universität Rom arbeiten keine Menschen sondern dressierte Affen. Des Rätsels Lösung fand sich dann übrigens später in Ninas Spam-Ordner. Gut, vielleicht gibt es nicht nur in Rom dressierte Affen und wir assimilieren uns einfach nur allmählich an unseren neuen Lebensraum.
Danach klappte erst mal alles ganz gut. E-Mails kamen von nun an immer an und wir meldeten uns für einen Sprachkurs gleich vor Semesterbeginn an – um sicherzustellen, dass wir in der Fremde auch überleben. Ab September büffeln wir also schon mal Italienisch, damit danach auch nichts mehr schief geht. Komplizierter wurde es dann mit der Wohnungssuche, denn da wir immer noch keine Antworten auf unsere Fragen aus Rom bekamen, wurde aus dem Studentenwohnheim wohl nichts. Also suchten wir selbst im Internet, wobei uns dankenswerterweise Claudia half, sodass wir keine versteckten Defizite übersehen konnten – vielen Dank dafür!
Im August reiste ich dann nach Rom um mir die Wohnungen anzusehen – und traf auf römisches Chaos. Ich hatte vorher einige Termine ausgemacht, aber noch während ich mich auf der Anreise befand, stand mein Handy nicht mehr still, da sämtliche Termine nun doch noch umgelegt werden mussten und ich alles neu organisieren musste. Aus dem Zug auszusteigen, machte es nicht besser, denn es war ein außerordentlich heißer Tag in der ewigen Stadt, worüber sich selbst deren Bewohner beschwerten. In dieser Hitze schleppte ich mich also von Wohnung zu Wohnung, traf auf manche Kuriosität („Ich kann den Schrank zwar reparieren – aber ihr braucht doch eigentlich keinen, oder?“) und schließlich auch auf eine Wohnung, die mir sehr zusagte, sodass Nina und ich endlich eine Bleibe in Rom haben und uns die größte Sorge genommen wurde. Wir wohnen nun in einer ruhigen Straße in einem alten Haus mit Garten und haben alles Wichtige in der Nähe: Ein Restaurant, zwei Eisdielen, eine Bar, zwei Supermärkte und natürlich ein Schuhgeschäft. Ach ja, und eine U-Bahn-Station und die Uni sind auch nicht weit…
Mittlerweile haben wir auch die Reise gebucht und es kann losgehen. Na ja, zumindest fast, allzu viele Informationen haben wir von der Uni immer noch nicht, aber wir wissen, wann wir uns einschreiben müssen, und da werden sich so Kleinigkeiten wie „Wann beginnt das Semester, und wann endet es wieder?“, „Wo ist das Vorlesungsverzeichnis?“ und „Wann sind Prüfungen, wann Ferien?“ sicher klären lassen. Wir bewahren da lieber mal Ruhe.

Ciao tutti!

Benvenuto a unserem blog! Schön dass ihr hier seid und mit uns unsere gemeinsames Auslandssemester verfolgen wollt. Wir werden uns bemühen, möglichst regelmäßig hier Updates zu posten und euch so auf dem Laufenden zu halten mit allem, was uns in der riesigen ewigen Stadt so passiert. Auf ein aufregendes Semester und dass sich der Titel des blogs ("Die spinnen, die Römer" auf italienisch, stilecht) nur positiv bestätigt!

Herzgrüße von den zwei Weltenbummlerinnen
Nadine und Nina